Auch wenn Gottesdienste derzeit noch nicht so gefeiert werden können, wie GottesdienstbesucherInnen es bisher gewohnt waren, hat sich das Presbyterium der Ev. Kirchengemeinde Kirchen doch für die baldige Wiederaufnahme von Präsenz-Gottesdiensten entschieden. Der erste dieser Gottesdienste findet am 28. 06. 2020 um 10:00 Uhr in der Lutherkirche in Kirchen statt. Das Presbyterium hat ein Hygienekonzept erstellt, da inzwischen genehmigt worden ist. Danach gibt es Gottesdienste zunächst nur in der Lutherkirche. Bei Einhaltung des Mindestabstandes von 2 m können dort derzeit 36 Personen den Gottesdienst besuchen. Die Benutzung der Empore ist nicht gestattet, Sitzplätze sind markiert Personen, die in einem gemeinsamen Haushalt leben, dürfen direkt nebeneinander sitzen. Beim Betreten und Verlassen der Kirche ist ein Mund-Nasenschutz zu tragen. Zur Nachverfolgung eventueller Infektionsketten werden die Kontaktdaten aller GottesdienstbesucherInnen erfasst und einen Monat aufbewahrt. Da Gemeindegesang und gemeinsames Sprechen von Gebeten nicht erlaubt ist, wird der Gottesdienst in gekürzter Form, jedoch mit dem vollen Klang der renovierten Oberlinger-Orgel gefeiert.

Wegen der zahlenmäßigen Beschränkung ist die Anmeldung bei Küsterin Heike Schneider (0 27 41/ 9 72 88 26) erforderlich.

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Alles, was dir vor die Hände kommt,
es zu tun mit deiner Kraft,
das tu. Prediger 9,10

Liebe Leserinnen und Leser,
„in die Hände zu spucken“ und loszulegen, dieses Bild kennen wir. In einem Lied wird
das etwas veralbert: „Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt: Wir steigern das
Bruttosozialprodukt“.
Die Firma Esso hatte in den 80er Jahren den Slogan „Es gibt viel zu tun – packen wir’s
an“. Auch dazu gab es Verballhornungen wie: „Es gibt viel zu tun – warten wir’s ab“.
Am besten von allen Sprüchen zu diesem Thema gefällt mir aber der Satz von Erich
Kästner, der eigentlich nicht lustig ist, aber durch die Reimform sehr einprägsam ist und
vielen PolitikerInnen ins Tagebuch geschrieben werden sollte: „Es gibt nichts Gutes.
Außer man tut es.“ Eigentlich ist das genau das gleiche, was im Buch des Predigers
geschrieben steht: Was dir vor die Hände kommt zu tun, das tue, wenn du dafür die
Kraft hast.
Wie immer ist es bei solchen Sätzen interessant, sich den Zusammenhang anzusehen.
Man hat den Satz offenbar bewusst gekürzt, was ich schade finde, denn der ganze Satz,
in moderner Übersetzung, lautet wie folgt:
„Wenn sich dir die Gelegenheit bietet, etwas zu tun,
dann tue es mit vollem Einsatz.
Du bist nämlich unterwegs zu dem Ort, von dem kein Mensch wiederkehrt.
Wenn du tot bist, ist es zu Ende mit allem Tun und Planen,
mit aller Einsicht und Weisheit.“

Den zweiten Teil hat man in der Losung weggelassen, weil wir las Christinnen und
Christen natürlich die Hoffnung haben, dass dieses Leben nicht alles ist. Wir haben eine
Hoffnung über den Tod hinaus. Und dennoch ist der Tod eine Realität, das Sicherste,
was es im Leben eines Menschen gibt. Wir sollten also als Christinnen und Christen,
auch angesichts der „Hoffnung über den Tod hinaus“, in dem Bewusstsein leben, dass
unser Leben hier auf Erden begrenzt ist.
„Memento mori“, oder auf deutsch: „Sei dir der Sterblichkeit bewusst“, ist ein Spruch
aus dem Mittelalter, der auch auf Christinnen und Christen zutrifft: Tue das, was dir
Gott vor die Füße legt, denn dein Leben hier auf Erden ist irgendwann beendet, ob mit
oder ohne Corona- Krise. Aber bei Alledem darfst du nie vergessen: Gott wird am Ende
eine gute Zukunft für uns bereithalten.
In dieser fortmachenden Hoffnung können wir sagen: Es gibt viel zu tun- packen wir’s
mit Gottes Hilfe an.
Seien Sie behütet und gesegnet!

Ihr Eckhard Dierig, Pfarrer

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Ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen,
dass ihr euch abermals fürchten müsstet,
sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen,
durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Römer 8, 15

Liebe Leserinnen und Leser,
das Wort „Knecht“ kommt in unserem Alltag kaum noch vor. Es stammt stammt aus
dem achten Jahrhundert und bedeutet: „Mann der auf einem Bauernhof niedere
Arbeiten verrichtet“ oder „Unfreier, abhängiger Mann“ oder „Diener, Untergebener“.
All diese Bedeutungen machen klar: Wer ein Knecht ist, steht in der Hierarchie weit
unten, Andere bestimmen darüber, was er zu tun hat, vermutlich wird er in der
Knechtschaft sein Leben lang bleiben, daraus zu entkommen war relativ schwer.
Einer solchen Knechtschaft stellt Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Rom die
„Kindschaft“ gegenüber. Das Bild ist sofort einleuchtend: Da gibt es auf dem Hof etwa
einen jungen Mann, der als Knecht arbeiten und schuften muss, Befehle
entgegennehmen muss, und es gibt den vielleicht gleichaltrigen Sohn, der nicht
unbedingt schlauer oder stärker oder sympathischer sein muss, aber weil er eben der
„Sohn des Hauses“ ist, der Sohn des Bauern, hat er eine völlig andere Stellung. Es geht
ihm besser, obwohl er weniger arbeitet.
So ist das auch bei Gott, versucht Paulus seinen Leserinnen und Leser zu sagen: Bei
Gott müssen wir keine Knechte sein, bei ihm dürfen wir Kinder sein. In der Nähe des
Vaters weiß sich ein Kind beschützt und geborgen, es weiß, wohin es gehört. Gott, so
könnte man sagen, hat uns als seine Kinder adoptiert. Durch diese Adoption sind wir
frei geworden und leben in der „Freiheit der Kinder Gottes“, in der Kindschaft eben.
Wir sind frei von dem Zwang, alles selber machen zu müssen, fehlerlos zu sein, keine
Schwächen zu haben, nicht weinen zu dürfen. Frei sind wir, nicht erst etwas werden zu
müssen, um jemand zu sein, frei sind wir, nicht immer besser, schneller und tüchtiger
werden zu müssen. Frei sind wir auch von der Schuld und von allem, was uns von Gott
trennt. Diesen Gott können wir „Abba“, nennen, was eigentlich am besten mit „Papa“
zu übersetzen ist, nicht mit dem strengeren „Vater“.
Nun haben manche Menschen aber mit dem Vaterbild ihre Schwierigkeiten. Aber Kind-
Sein heißt ja im Idealfall, einen Vater und eine Mutter zu haben. So Kann Jesaja sagen,
Gott wolle uns trösten, „wie eine Mutter ihr Kind tröstet“. Und Johann Jakob Schütz hat
am Ende des 17. Jahrhunderts gedichtet:
Der Herr ist noch und nimmer nicht von seinem Volk geschieden;
er bleibet ihre Zuversicht, ihr Segen, Heil und Frieden.
Mit Mutterhänden leitet er die Seinen stetig hin und her…

Es spielt also keine Rolle, ob wir uns von Gott als seine Kinder angenommen und bei
ihm geborgen fühlen wie bei einem Vater oder wie bei einer Mutter: Wichtig ist allein,
dass wir den Geist der Kindschaft einatmen und ihn uns zu Eigen machen dürfen und
nie wieder dem Geist der Knechtschaft unterliegen müssen.
Seien Sie behütet und gesegnet!

Ihr Eckhard Dierig, Pfarrer

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Jesus spricht: Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe,
so wie ich meines Vaters Gebote gehalten habe und bleibe in seiner Liebe.
Das habe ich euch gesagt, auf dass meine Freude in euch sei
und eure Freude vollkommen werde.
Johannes 15,10-11

Liebe Leserinnen und Leser,
„Auf die Frage, was das Christentum sei, antwortete ein Junge: ‚Christentum ist das, was man nicht
darf.‘ So denken viele. Und wenn man sie nach dem Grund für diese merkwürdige Ansicht fragt, reden
sie von den Zehn Geboten.
Da heißt es doch immer: ,Du sollst nicht!’ Was für ein ungeheuerliches Missverständnis! Gott ist kein

Zwingherr, sondern der Befreier. Er befreite sein Volk Israel aus Ägypten. Dann führte er es zum Berg
Sinai. Und vom Berg Sinai aus machte er ihm klar, wie groß die Freiheit ist, die man mit Gott hat. Er
machte ihnen das klar in zehn Sätzen. Acht von diesen zehn Sätzen beginnen mit ‚Du wirst nicht …‘
Zwei beginnen mit ‚Du wirst …‘ Keiner beginnt mit ‚Es ist verboten …!‘ Sondern alle fangen an: ‚Ich,
Gott, und du, Mensch, wir gehören zusammen. Und wenn wir zusammen bleiben, dann wird dein Leben
folgendermaßen aussehen: Du wirst keine andern Götter haben. Du wirst meinem Namen Ehre
machen. Du wirst dich nicht zu Tode hetzen. Du wirst in deiner Familie ein menschliches Leben finden…‘
usw. Die zehn Gebote sind die zehn Artikel der großen Freiheit, die Gott schenkt.“

So hat es der Theologe Ernst Lange einmal geschrieben. Es geht ihm darum, dass die
Gebote Gottes nicht eine Last für uns sind, uns nicht niederdrücken oder kleinmachen
wollen, ganz im Gegenteil. Da sie damit beginnen, dass Gott für uns dasein will, sind sie
eher Hilfen oder Hilfestellungen für ein gelingendes Leben. Das passt zu dem Ausspruch
Jesu, der die Gebote Gottes und seine eigenen Gebote mit nichts weniger als mit
der Freude in Verbindung bringt.
Die Gebote Gottes zu halten heißt nicht, jede Bibelstelle wort-wörtlich zu verstehen.
Viel Opfervorschriften im Hebräischen Testament (AT) etwa haben für uns heute kaum
noch eine Bedeutung. Es geht es um etwas anderes. Die Barmer theologische Erklärung
sagt, Christus selber sei das Wort Gottes. Diesem Wort zu folgen heißt demnach, sich an
Jesus Christus zu orientieren, ihn zur Richtschnur unseres Lebens zu machen. Er forderte
seine Anhänger auf, ihre Nächsten zu lieben und formuliert das später so genannte
„Doppelgebot der Liebe“:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen,
von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt,
und deinen Nächsten wie dich selbst.“

Zur Nächstenliebe gehört die recht verstandene Liebe zu sich selbst. Der Mensch darf
sich selber mögen, weil Gott ihn mag. Das wird einem Christenmenschen schon in der
Taufe zugesprochen, wenn Gott sagt: „Du bist wertvoll, ich liebe dich.“
Weil wir von Gott geliebt sind, können und dürfen wir wiederum Andere lieben, und
zwar nicht nur solche, die mir von Natur her angenehm und sympathisch sind. Mein
„Nächster“ ist vielmehr der Mensch, der mich in diesem Augenblick am meisten
braucht. Die Liebe zu Gott ist also nicht nur ein schönes Gefühl, sondern sie muss konkret
werden in der Liebe zu meinem Mitmenschen!
Ich wünsche Ihnen, dass Sie das mit Freude erfüllt, Corona-Virus hin oder her….
Seien Sie behütet und gesegnet!

Ihr Eckhard Dierig, Pfarrer

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