Kennen Sie „gestreifte Gottesdienste“? Ich auch nicht. Darum war ich erstaunt, als ich in meinen eigenen Notizen etwas von „gestreiften Gottesdiensten“ gelesen habe. Wieder einmal hatte das Sprachprogramm mir einen Streich gespielt. Es sollte natürlich nicht „gestreifte“ Gottesdienste heißen sondern „gestreamte“ Gottesdienste. Aber auch da fragt sich vielleicht mancher, was das denn sein solle.

Gestreamte Gottesdienste versuchen wir vom ersten Advent an in unseren Kirchen zu haben. Das bedeutet, dass die Gottesdienste mit einer oder mehreren Kameras aufgenommen werden und dann auf YouTube eingestellt werden. So kann jeder in der Kirchengemeinde Kirchen, aber auch in der zukünftigen Gemeinde Kirchen-Freusburg, und natürlich im Altenzentrum und im „Rest der Welt“ diese Gottesdienste zeitgleich oder aber auch zeitversetzt ansehen!

Wir haben ja schon einige Male Gottesdienste in das Netz eingestellt, das war aber immer damit verbunden, dass man einige Tage vorher diese Gottesdienste aufgenommen hat. Manche Gemeinden machen das auch heute noch so. Wir sind in Kirchen der Meinung, dass live-Gottesdienste interessanter und lebendiger sind. Und wenn sich mal ein Fehler einschleicht, der Pfarrer sich bei der Predigt verspricht, der Lektor sich verliest oder die Organistin sich verspielt, das ist im richtigen Gottesdienst ja auch nicht anders. Von daher werden wir diese Möglichkeit in Zukunft anbieten.

Diese Möglichkeit hilft uns natürlich in der Corona Zeit, auch die Menschen zu erreichen, die aus Vorsicht nicht in den Gottesdienst gehen wollen, aber auch darüber hinaus. Wenn die beiden Gemeinden Freusburg und Kirchen zusammengekommen sind, wird man nicht mehr an allen Predigtstellen an allen Sonntagen Gottesdienste anbieten können. Auch da könnten gestreamte Gottesdienste eine Hilfe sein für die Ortsteile, in denen gerade keine Live-Gottesdienst stattfinden können.

Der Ablauf der Gottesdienste und die Zeiten bleiben unverändert, auch sonst gibt es für die GottesdienstbesucherInnen keine Veränderungen.

Den Zugang zum Youtube-Kanal findet man hier:

https://www.youtube.com/channel/UCXqOQ5qqGWKYySo_m3eK84Q?view_as=subscriber

Gottesdienste unterliegen im Augenblick, wie Sie alle wissen, besonderen Auflagen. Unter diesen Auflagen machen Gottesdienst in der Christuskirche im Augenblick keinen Sinn, weil dort nur sehr wenige GottesdienstbesucherInnen Platz finden. Um dennoch Gottesdienste in Wehbach anzubieten, sind wir auf die kath. Gemeinde zugegangen, die sofort einverstanden war, dass wir (in der Regel) einmal im Monat Gottesdienst in der dortigen katholischen Kirche abhalten können. Wir sagen dafür an dieser Stelle herzlichen Dank!

Auch wenn Gottesdienste derzeit noch nicht so gefeiert werden können, wie GottesdienstbesucherInnen es bisher gewohnt waren, hat sich das Presbyterium der Ev. Kirchengemeinde Kirchen doch für die baldige Wiederaufnahme von Präsenz-Gottesdiensten entschieden. Der erste dieser Gottesdienste findet am 28. 06. 2020 um 10:00 Uhr in der Lutherkirche in Kirchen statt. Das Presbyterium hat ein Hygienekonzept erstellt, da inzwischen genehmigt worden ist. Danach gibt es Gottesdienste zunächst nur in der Lutherkirche. Bei Einhaltung des Mindestabstandes von 2 m können dort derzeit 36 Personen den Gottesdienst besuchen. Die Benutzung der Empore ist nicht gestattet, Sitzplätze sind markiert Personen, die in einem gemeinsamen Haushalt leben, dürfen direkt nebeneinander sitzen. Beim Betreten und Verlassen der Kirche ist ein Mund-Nasenschutz zu tragen. Zur Nachverfolgung eventueller Infektionsketten werden die Kontaktdaten aller GottesdienstbesucherInnen erfasst und einen Monat aufbewahrt. Da Gemeindegesang und gemeinsames Sprechen von Gebeten nicht erlaubt ist, wird der Gottesdienst in gekürzter Form, jedoch mit dem vollen Klang der renovierten Oberlinger-Orgel gefeiert.

Wegen der zahlenmäßigen Beschränkung ist die Anmeldung bei Küsterin Heike Schneider (0 27 41/ 9 72 88 26) erforderlich.

Alles, was dir vor die Hände kommt,
es zu tun mit deiner Kraft,
das tu. Prediger 9,10

Liebe Leserinnen und Leser,
„in die Hände zu spucken“ und loszulegen, dieses Bild kennen wir. In einem Lied wird
das etwas veralbert: „Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt: Wir steigern das
Bruttosozialprodukt“.
Die Firma Esso hatte in den 80er Jahren den Slogan „Es gibt viel zu tun – packen wir’s
an“. Auch dazu gab es Verballhornungen wie: „Es gibt viel zu tun – warten wir’s ab“.
Am besten von allen Sprüchen zu diesem Thema gefällt mir aber der Satz von Erich
Kästner, der eigentlich nicht lustig ist, aber durch die Reimform sehr einprägsam ist und
vielen PolitikerInnen ins Tagebuch geschrieben werden sollte: „Es gibt nichts Gutes.
Außer man tut es.“ Eigentlich ist das genau das gleiche, was im Buch des Predigers
geschrieben steht: Was dir vor die Hände kommt zu tun, das tue, wenn du dafür die
Kraft hast.
Wie immer ist es bei solchen Sätzen interessant, sich den Zusammenhang anzusehen.
Man hat den Satz offenbar bewusst gekürzt, was ich schade finde, denn der ganze Satz,
in moderner Übersetzung, lautet wie folgt:
„Wenn sich dir die Gelegenheit bietet, etwas zu tun,
dann tue es mit vollem Einsatz.
Du bist nämlich unterwegs zu dem Ort, von dem kein Mensch wiederkehrt.
Wenn du tot bist, ist es zu Ende mit allem Tun und Planen,
mit aller Einsicht und Weisheit.“

Den zweiten Teil hat man in der Losung weggelassen, weil wir las Christinnen und
Christen natürlich die Hoffnung haben, dass dieses Leben nicht alles ist. Wir haben eine
Hoffnung über den Tod hinaus. Und dennoch ist der Tod eine Realität, das Sicherste,
was es im Leben eines Menschen gibt. Wir sollten also als Christinnen und Christen,
auch angesichts der „Hoffnung über den Tod hinaus“, in dem Bewusstsein leben, dass
unser Leben hier auf Erden begrenzt ist.
„Memento mori“, oder auf deutsch: „Sei dir der Sterblichkeit bewusst“, ist ein Spruch
aus dem Mittelalter, der auch auf Christinnen und Christen zutrifft: Tue das, was dir
Gott vor die Füße legt, denn dein Leben hier auf Erden ist irgendwann beendet, ob mit
oder ohne Corona- Krise. Aber bei Alledem darfst du nie vergessen: Gott wird am Ende
eine gute Zukunft für uns bereithalten.
In dieser fortmachenden Hoffnung können wir sagen: Es gibt viel zu tun- packen wir’s
mit Gottes Hilfe an.
Seien Sie behütet und gesegnet!

Ihr Eckhard Dierig, Pfarrer