Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.
Markus 14, 26
Liebe Leserinnen und Leser,
dass dieser Vers als Lehrtext der heutigen Tageslosung zugeordnet wurde, ist kein Zufall.
Immerhin ist heute „Gründonnerstag“, der Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahles,
und als Abschluss dieses Mahles steht bei Markus der Satz vom Lobgesang der Jünger.
Der Name „Gründonnerstag“ hat übrigens mit dem Wort „grün“ vermutlich nichts
zu tun. Einige Forscher vermuten, dass die Worte „greinen“ oder „grienen“ dahinter stecken.
Das ist Mittelhochdeutsch und heißt „wimmern“ oder „weinen“. Die Worte beschreiben
die Gefühlslage von Menschen, denen der Tod Jesu sehr nahe geht. Andere
Forscher meinen, dass mit „grün“ die „grünen Büßer“ gemeint seien, Christen, die nach
der Fastenzeit als frei von Sünde galten und an diesem Tag zum ersten Mal wieder die
Eucharistie, also das Abendmahl, mitfeiern durften. Sie hießen die „Grünen“, weil sie
dank ihrer Buße wieder zu den „grünen Zweigen der Kirche“ gezählt wurden.
Letztlich spielt es keine Rolle, woher der Name „Gründonnerstag“ kommt. Viel wichtiger
ist, was er für uns bedeuten kann. In der evangelischen Kirche hat das Abendmahl
immer eine große Bedeutung gehabt, weil es hier nur zwei Sakramente gibt, neben dem
Abendmahl die Taufe. Da die Taufe in allen christlichen Kirchen ein einmaliger Akt ist,
kommt dem Abendmahl als einzigem „wiederholbaren“ Sakrament besondere Bedeutung
zu. Es wurde früher an nur wenigen Tagen im Jahr mit großer Ernsthaftigkeit gefeiert
und mancher hatte Angst vor göttlicher Strafe, wenn er das Abendmahl in unwürdiger
Weise feiern würde. Die große Wertschätzung des Abendmals wird in der katholischen
Kirche durch die Feier der Eucharistie in jeder Messe deutlich, möglichst sollen
die Gläubigen an jedem Tag die Eucharistie empfangen…
Leider sind die christlichen Kirchen von einer gemeinsamen Feier des Abendmahls noch
weit entfernt. Da, wo es Abendmahlsgemeinschaft schon gibt, etwa zwischen der evangelischen
und der alt-katholischen Kirche, wird dieser sehr bereichernd empfunden.
In den Worten vor dem Abendmahl, der „Abendmahls-Vermahnung“ heißt es:
„Wenn wir nun das Abendmahl miteinander feiern, dann denken wir daran, dass es als ein Sakrament
ein besonders deutliches und klares Wort Gottes ist. Es erinnert uns zum einen an das Leiden und
Sterben Jesu. Es spricht uns zugleich die Vergebung der Sünden zu, wenn wir es im Glauben annehmen.
Zum dritten stiftet es Gemeinschaft zwischen Gott und uns. So sind auch wir an seinem Tisch
miteinander verbunden!“

Das Abendmahl ist ein großer Schatz. Und es ist auf Gemeinschaft ausgelegt. Von daher
ist es besonders betrüblich, dass wir diesen Gottesdienst heute nicht miteinander feiern
können. Aber auch wenn das schmerzlich ist, wollen wir doch -wie die Jünger damalsmit
einem Loblied, laut oder auch nur im stillen gesungen, dankbar an das kostbare Geschenk
vom Tisch des Herrn denken: Das Abendmahl, die Eucharistie, eine wunderbare
Gabe unseres Gottes.
Seien Sie behütet und gesegnet!

Ihr Eckhard Dierig, Pfarrer